Selbsthilfe-Online


Selbsthilfe behinderter und chronisch kranker Menschen in Deutschland

Druckdatum: 23.01.2018
Erstellungsdatum: 08.11.2004

Überlegungen zum Thema Behinderung

Die Gesellschaft kann behindernd wirken

Was ist Behinderung? Nur zu oft wird sie allein als das Problem einer Einzelperson gesehen, das bewirkt, daß der Betreffende bestimmte Dinge nicht tun kann. Das "Problem" liegt jedoch häufig bei uns allen, also bei der Gesellschaft, in der wir leben.

Als Gesellschaft haben wir das allgemeine Problem, daß wir den unterschiedlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten unterschiedlicher Menschen zu wenig Rechnung tragen. Wir entwerfen das Bild eines fiktiven "normalen" Menschen (der uns für gewöhnlich verdächtig ähnlich ist) und gehen dann davon aus, das die Welt nur den Bedürfnissen und Wünschen dieses imaginären Normalität entsprechen sollte.

In Wirklichkeit sind alle Menschen verschieden. Einige sind groß andere sind klein, einige sind dünn, andere dicker; einige könnten jeden Tag an einem Marathonlauf. teilnehmen, andere können überhaupt nicht laufen oder gehen; einige verfügen über ein hundertprozentiges Sehvermögen, andere können überhaupt nicht sehen; und zwischen den Extremen gibt es alle möglichen Abstufungen von Fähigkeiten und Behinderungen.

Niemand von uns ist wirklich ist "normal" weil wir alle verschieden sind.

Unsere Gesellschaft, einschließlich unserer Gebäude und Fahrzeuge, unserer Bildung und Gesundheitsversorgung unserer Freizeiteinrichtungen und Beschäftigungsstrukturen , sollte so konzipiert sein daß sie die Unterschiede der Menschen voll berücksichtigt. so daß sie jedem die gleiche Chance bietet, entsprechend seinen jeweiligen Fähigkeiten ein erfülltes Leben seiner Wahl zu leben.

Für viele von uns liegt klar auf der Hand, daß die moderne Welt nicht so eingerichtet ist, daß sie allen gleiche Chancen einräumt. Chancengleichheit kann aus vielerlei Gründen verweigert werden, auch auf Grund unseres Geburtsorts, unserer finanziellen Lage, unserer Sprechweise, unserer Hautfarbe, unserer äußeren Erscheinung: und natürlich auch deshalb, weil wir eine sogenannte "Behinderung" aufweisen.

Wir sollten uns aber alle sehr genau überlegen, weshalb wir jemanden als behindert betrachten.

Rollstuhlfahrer können viele Möglichkeiten einfach deshalb nicht nutzen, weil die Gebäude, die sie aufsuchen oder verlassen wollen, für Rollstühle nicht zugänglich sind.

Sehbehinderte können viele Möglichkeiten einfach deshalb nicht nutzen, weil es ihnen nicht ermöglicht wird, mit nichtvisuellen Mitteln, über Gehör und Tastsinn, mit der Welt ohne Einschränkungen in Verbindung zu treten.

Ein Mensch mit Lernschwierigkeiten kann vielleicht einfach deshalb nicht lesen. eine Aufgabe auszuführen, die er eigentlich sehr wohl ausführen könnte, weil die speziellen Lehrmethoden, die ihm helfen könnten, nicht zur Verfügung stehen.



Behinderung im sozialen Modell

Behinderung als Ergebnis der Interaktion zwischen Individuum mit funktioneller Einschränkung und der Umwelt.

Behinderung kann in der Regel mit persönlichen, materiellen und technischen Hilfen ausgeglichen werden.

Die Hilfen müssen personenbezogen organisiert werden.

Der Nutzer der Hilfen entscheidet wann, wie, in welcher Weise und wo die Hilfen gegeben werden.

Normierte gruppenorientierte Hilfen verleugnen allzu oft die individuellen Bedürfnisse.

Alle Menschen sind verschieden, haben individuelle Bedürfnisse.



Behinderung im medizinischen Modell

Der Mensch ist behindert (der Behinderte).

Alle Probleme sind bei ihm angesiedelt, Problemträger der einzelne Mensch.

Für bestimmte Gruppen von Behinderten werden pauschale Lösungen angeboten.

Für pauschale Pflegesätze werden gruppenspezifische Lösungen angeboten.

Die Begriffe Pflege und Betreuung spielen eine zentrale Rolle im Denken.

Menschen mit funktionellen Einschränkungen werden nicht als Experten in eigner Sache anerkannt.


Siehe auch Leitseite Neue Ideen

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